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Jahreshauptübung 2013

 
Die Sirene heult durch die dunklen Straßen Altlußheims, ein durchdringendes Geräusch, das man nicht alle Tage hört. Früher wurde so die Feuerwehr zu ihren Einsätzen alarmiert, an diesem Abend macht die Sirene auf die Jahreshauptübung der Floriansjünger der Gemeinde am Rheinbogen aufmerksam. "An diesem Abend soll es Feuerwehr zum Anfassen geben", verkündet der stellvertretende Kommandant, Thorsten Lehrenkrauß, den Zuschauern. "Gleich wird das erste Feuerwehrfahrzeug auf den Schulhof fahren und uns eine Menschenrettung mit der Schleifkorbtrage zeigen. Wir nehmen an, dass im obersten Stockwerk der Schule ein Mensch verunglückt ist, die Treppe aber erst ab dem ersten Obergeschoss betreten werden kann." Noch während den Erklärungen ist das Martinshorn zu hören.
Hinter dem Fahrzeug angetreten, gibt der Gruppenführer seine Befehle, und schon geht es los. Die Steckleiter wird vom Dach des großen Feuerwehrautos geholt und an der Treppe angestellt, Schläuche werden ausgelegt und die orangefarbene Schleifkorbtrage herbeigeschleppt. Sicher steigt der erste Trupp Sprosse für Sprosse die Leiter hinauf, steigt über das Geländer und erklimmt das letzte Stockwerk über die Treppe. Zur Unterstützung folgt sofort ein zweiter Trupp.
Der Patient, in diesem Fall eine Puppe, wird mit ruhiger Stimme von den Feuerwehrmännern angesprochen und erstversorgt. Am Boden steht schon die Schleifkorbtrage bereit. Nach einem lauten "Achtung, Leine!" fallen zwei orangefarbene Beutel an daumendicken Leinen zu Boden. Die Trage wird festgebunden und nach oben gezogen. Darauf wird die Puppe gelegt, gesichert und an den Leinen wieder gleichmäßig nach unten gelassen.
 

Notruf per Funkmeldeempfänger

 
Was zu tun ist, wenn den Feuerwehrleuten der Rückweg über Treppe oder Leiter nicht mehr möglich ist, das zeigte Lehrenkrauß. Bei der sogenannten Selbstrettung ist er durch einen Gurt und die Feuerwehrleine gesichert und kann sich daran selbst zum Boden ablassen.
Nach einer kurzen Auffrischung zum richtigen Absetzen eines Notrufes piept es auf dem Schulhof - ein Funkmeldeempfänger. "Wenn es so piept, heißt es für uns, dass wir uns zügig auf den Weg ins Feuerwehrhaus machen müssen, egal wo wir gerade sind", erklärt Lehrenkrauß. Kevin Wetzler zeigt, wie es geht: Er schwingt sich auf sein Fahrrad und radelt ins Feuerwehrhaus. Kurze Zeit später kommt er als Gruppenführer auf dem Feuerwehrauto wieder zum Schulhof zurück. Nun geht es darum, ein Feuer hinter einer Tür zu löschen.
"Wir wissen nie genau was uns dort erwartet, wie weit ist das Feuer ausgedehnt oder müssen wir sogar mit einer Durchzündung des Rauches rechnen? Dazu kommen noch Temperaturen um die 800 Grad", informiert Lehrenkrauß. Der Angriffs-trupp sitzt nun vor der geschlossenen Tür der Übungsanlage, hinter der schon die Flammen herausschlagen. Am Boden ist immer die beste Sicht, vorausgesetzt, man kann überhaupt noch etwas sehen, und auch die Temperaturen sind am Boden geringer. Nach drei Schlägen gegen die Tür wird sie geöffnet, die ersten Sprühstöße aus dem Strahlrohr werden abgegeben und die Tür wieder geschlossen. Kurz danach geschieht das gleiche noch einmal, damit die Rauchgase abgekühlt werden. Dann wird das Feuer gelöscht.
 

Jugend wie die Erwachsenen

 
"Sollte es zu einer Durchzündung kommen, einem Flashover, bewegen sich die Einsatzkräfte, mit dem Rücken ganz dicht am Boden, zurück. Dadurch kann weiter Wasser aus dem Strahlrohr fließen." Zum besseren Verständnis zeigen die Männer auch diese Variante.
Auch die Jugendfeuerwehr darf demonstrieren, was sie kann. Wie die Erwachsenen treten sie hinter dem Feuerwehrauto an, bevor sie ihre Befehle ausführen. Einen "Schaumangriff" sollen sie aufbauen, dafür brauchen sie einen "Schaumzumischer", der zwischen den Verteiler und die Feuerwehrschläuche gebaut wird. Auch Schaummittelkanister müssen bereitgestellt werden, bevor das Kommando "Wasser marsch!" erwidert wird. Ein Handzeichen zeigt an, dass alles fertig ist, und gekonnt löschen Justin und Eva-Maria das Feuer. Zum Schluss dürfen die Zuschauer sehen, was man in einem verrauchten Raum sieht - nämlich nichts. Mit einem Blick durch die Wärmebildkamera, durch die man Personen im Rauch erkennen kann, sehen sie aber, wie wichtig dieses Gerät ist.
 
© Hockenheimer Tageszeitung, Samstag, 02.11.2013